So

16

Mai

2010

Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e.V.

Die Arbeitsgemeinschaft Jugend und Bildung e.V. ist ein Verein, der das Ziel verfolgt, "Bildung und Erziehung der Jugend zu fördern'' (http://www.jugend-und-bildung.de/webcom/show_article.php/_c-25/i.html ,§2.1, Stand 16. 5.2010). Auf der Homepage, die sich besonders an Lehrer richtet, ist es möglich, kostenlose Unterrichtsmaterialien zu downloaden, und diese auch im Unterricht zu verwenden.

 

Laut Satzung ist der Verein "selbstlos tätig'' und "gemeinnützig''. Wenn man sich allerdings die Arbeitsblätter anschaut, wird deutlich, dass diese nicht gerade neutral sind. Ein gutes Beispiel ist etwa das Arbeitsblatt "Pro und Kontra Kernenergie'', dass man unter http://www.kernfragen.de/kernfragen/documentpool/unterrichtsmaterialien/AB_Kernenergie_Pro_Kontra_K7.pdf selbst anschauen kann.

Dieses Arbeitsblatt, dass sich an Schüler der Sekundarstufe I richtet, wurde etwa vom Informationskreis KernEnergie herausgegeben, einem Lobbyverband der Atomindustrie. Warum gibt sich ein "gemeinnütziger Verlag'' nun für Lobbying her? Sobald jemand nun von dieser Internetseite kostenpflichtiges Material bestellen will, tritt er mit dem Universum Verlag GmbH in Kontakt, welche zu 50% der FDP gehört. Weitere Inhaber ist die Media Holding von Siegfried Papst, einem langjährigen FDP-Mitglied. Für die FDP lohnt sich folglich die Sache doppelt: Einerseits profitiert sie ökonomisch vom Verkauf, andererseits werden Schüler in Kritischen Fächern wie Politik, Geschichte oder Sozialkunde mit Material von Interessenverbänden in Kontakt gebracht und so indoktriniert.

 

Die Universum-Verlagsgruppe schlägt dabei Kapital aus dem Mangel an aktuellen Unterrichtsmaterialien, die sich aus den Kürzungen der Bildungsposten ergeben. Im März stellte die FDP im Thüringer Landtag sogar den Antrag, das Material zu "Traumberuf Chef'' aufzunehmen, Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft in Zusammenarbeit mit dem FDP-geführten Bundeswirtschaftsministerium und vom Universum Verlag vertrieben.

Der Antrag scheiterte, sogar die CDU distanzierte sich, und der SPD-Abgeordnete Peter Metz stellte fest: "Es grenzt an Dummheit, einenderartigen Antrag in diesem Haus vorzutragen.''

 

Philip Ruth

 

 

(Quelle: SPIEGEL Nr. 18/03.05.2010, Seite 32-33, Birger Menke)

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